Das Ohr
Das Ohr des Menschen dient der Wahrnehmung von Schallwellen. Außerdem beherbergt das Innenohr das Gleichgewichtsorgan.
Außenohr, Mittelohr, Innenohr
Zum Außenohr gehören die nach außen hin sichtbare Ohrmuschel und der äußere Gehörgang. Der Schall wird so zum Trommelfell geleitet. Die Ohrmuschel hilft durch ihre Form beim Richtungshören.
Das Mittelohr besteht aus Trommelfell, den Gehörknöchelchen und der Ohrtrompete (Tuba auditiva). Das Trommelfell hat die Aufgabe, den in Luft geleiteten Schall in eine mechanische Bewegung der Gehörknöchelchen zu übertragen. Der letzte Knochen, der Steigbügel, versetzt nun am ovalen Fenster die Flüssigkeit des Innenohrs in Schwingung.
Das Innenohr liegt im Felsenbein und beinhaltet das Hör- und Gleichgewichtsorgan.
Anatomie des Ohres (Klickvergrößerung)
Erkrankungen und Therapie
Wahrnehmung von Schall
Die Schnecke des Innenohres dient der Wahrnehmung akustischer Reize.
Hier befinden sich verschiedene Räume. Diese sind mit Flüssigkeit gefüllt, welche in Schwingung versetzt wird und dadurch Fortsätze extrem empfindlicher Zellen auslenkt.
Die Auslenkungen der Zellen werden neuronal weitergegeben und als akustischer Reiz wahrgenommen. Durch sehr laute Geräusche wie Disco-Musik oder Explosionen können die Zellen im Innenohr geschädigt werden und es kann zu einer Innenohrschwerhörigkeit kommen.
Ein normales gesundes Gehör kann Frequenzen von 20 Hz bis 20 kHz wahrnehmen.
Ab dem 5. bis 6. Lebensjahrzehnt tritt häufig eine Altersschwerhörigkeit auf, die besonders die hohen Frequenzen betrifft.
Gleichgewicht
Das Gleichgewichtsorgan besitzt einen ähnlichen Mechanismus, mit dem Unterschied, dass hier aufgrund der Trägheit von Flüssigkeiten Beschleunigungen gemessen werden können.
Fehlfunktionen des Gleichgewichtsorgans oder Stationen, die dessen Signale verarbeiten, führen zu starkem Schwindel.
Beim gesunden Ohr werden Schallwellen vom Trommelfell über eine Kette von drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) auf das ovale Fenster des Innenohrs übertragen.
Infolge einer Mittelohrentzündung (Otitis media) können diese drei Knöchelchen geschädigt werden.
Nach Eiterbildung im Mittelohr kann auch ein Riss oder Loch im Trommelfell (Trommelfellperforation) entstehen, oft mit immer wieder auftretendem Ohrfluss.
Liegt das Loch am Rand des Trommelfells, kann Gewebe vom Gehörgang in das Mittelohr hineinwachsen und eine chronische Knocheneiterung verursachen.
Ein Loch im Trommelfell, eine Schädigung der Gehörknöchelchen und Vernarbungen im Mittelohr können zu unterschiedlich stark ausgeprägter Schwerhörigkeit führen.
Ohne Behandlung kann sich die Entzündung weiter ausbreiten und zu schwerwiegenden Komplikationen führen, z.B. zum völligen Hörverlust, zu Schwindelbeschwerden, zu Gesichtsnervenlähmungen und zum Hirnabszess.
Therapie
Als Behandlungsmaßnahmen kommen je nach Befund die Gabe von Ohrentropfen, Antibiotika oder eine Operation in Betracht.
Frau Dr. S. Michel hat sich im Laufe ihrer Ausbildung auf die Mittelohrchirurgie spezialisiert. Mit viel Fingerspitzengefühl und ruhiger Hand ist es ihr gelungen, die neusten Operationsmethoden fest am Alice-Hospital zu etablieren. Mit über tausend mittelohrchirurgischen Eingriffen in den letzten Jahren verfügt sie über Erfahrung, die ihresgleichen sucht.
Die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) verbindet das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum und sorgt für den Druckausgleich im Mittelohr. Ist die Ohrtrompete blockiert, entsteht ein Unterdruck, der zu Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr (Mittelohrerguss) führen kann.
Ursache für diese Flüssigkeitsansammlung können z.B. eine Mittelohrentzündung, eine vergrößerte Rachenmandel oder Polypen sein.
Der Mittelohrerguss (Paukenerguss) beeinträchtigt die Beweglichkeit von Trommelfell und Gehörknöchelchen und damit auch das Hörvermögen des betreffenden Ohrs. Besteht ein Erguss über längere Zeit, können sich Veränderungen am Trommelfell oder sehr selten Verwachsungen im Mittelohr bilden, die das Hörvermögen auf Dauer einschränken.
Behandlungsmöglichkeiten
Schleimhautabschwellende Medikamente und Antibiotika führen allein oft nicht zu einem dauerhaften Erfolg.
Erfolgversprechend ist in diesen Fällen die operative Öffnung des Trommelfells (Parazentese). In örtlicher Betäubung oder in Narkose wird das Trommelfell eröffnet und der Mittelohrerguss abgesaugt.
Bei wiederholtem Mittelohrerguss oder stark eingedicktem Sekret wird zur Belüftung der Paukenhöhle ein Röhrchen aus Gold, Titan oder Kunststoff in den Trommelfellschnitt eingelegt. (Abb.: Paukenröhrchen)
Dieses Röhrchen wird in der Regel nach einem halben bis ganzen Jahr von selbst wieder abgestoßen. Ist dies nicht der Fall, entfernt es der Arzt.
Wird das Paukenröhrchen vorzeitig abgestoßen, muss ein neues gelegt werden.
Wir möchten Sie hiermit auf eine neue Therapieoption bei Hörsturz und Tinnitus hinweisen.
Die erweiterte Hörsturz- / Tinnitustherapie, die sog. intratympanale Kortisonapplikation
Hierbei erfolgt eine gezielte Injektion eines speziell für diesen Zweck hergestellten Medikaments ins Mittelohr. Dadurch wird eine hohe Kortisonkonzentration direkt am Innenohr erreicht ohne die Gefahr hoher Kortisonspiegel im Blut. Das Verfahren eignet sich somit auch für Diabetiker oder Patienten, die bereits eine intravenöse oder orale Kortisontherapie erhalten haben.
Die Ansprechrate ist laut Studie ähnlich wie bei einer systemischen Kortisontherapie. Üblicherweise erfolgen 5 Sitzungen in einem Abstand von 2-5 Tagen.
Nach einer örtlichen Betäubung des Gehörganges und des Trommelfells durch Einlegen einer getränkten Watte, erfolgt die Applikation des Medikamentes ins Mittelohr. Danach muss der Patient noch für 20 Minuten liegen, damit das Medikament am Innenohr wirken kann.